Artikel: Schottische Schauspieler: Von Sean Connery bis Sam Heughan
Schottische Schauspieler: Von Sean Connery bis Sam Heughan
Made in Scotland
Schottische Schauspieler
Ein Land mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern – kaum mehr als Hessen – hat James Bond, Obi-Wan Kenobi, Hagrid, Logan Roy, Jamie Fraser und gleich mehrere Doctors hervorgebracht. Das ist kein Zufall. Schottland hat eine Erzähltradition, ein Theatererbe und einen Akzent, dem Regisseure seit Jahrzehnten verfallen. Hier sind die Menschen dahinter – und die Geschichten, die selten im Trailer stehen.
Legenden · Trainspotting-Generation · Die Gegenwart · Outlander · Doctor Who · Geheimtipps
Die grossen Namen
Die Legenden
Sir Sean Connery
Edinburgh, 1930–2020Aufgewachsen in Fountainbridge, einem Arbeiterviertel Edinburghs, in einer Wohnung ohne eigenes Bad. Er trug Milch aus, arbeitete als Sargpolierer, diente bei der Royal Navy und nahm 1953 am Mr-Universe-Wettbewerb teil – die Schauspielerei kam spät und beinahe versehentlich. Neun Jahre später war er James Bond, und der schottische Akzent, den man ihm auszutreiben versuchte, wurde zu seinem grössten Kapital.
Zwei Tätowierungen aus seiner Navy-Zeit sagen alles über den Mann: „Mum and Dad" und „Scotland Forever". Er blieb Schottland ein Leben lang verbunden, unterstützte die schottische Unabhängigkeitsbewegung offen und wurde im Jahr 2000 zum Ritter geschlagen – im Kilt im Thomson-Tartan seiner Mutter. Kein Schotte hat das Bild seines Landes im Ausland stärker geprägt.
Sir Billy Connolly
Glasgow, *1942In Glasgow geboren, in den Werften am Clyde als Schweisser ausgebildet, dann Folkmusiker, dann der einflussreichste Komiker, den Grossbritannien je hervorgebracht hat. Als Schauspieler überraschte er 1997 alle: In Mrs Brown spielte er John Brown, den schottischen Diener und Vertrauten von Queen Victoria – ernst, zurückgenommen, grossartig. Wer Connolly nur als Stand-up kennt, unterschätzt ihn. Die Werften sind längst verschwunden; sein Glasgower Tonfall ist geblieben.
Robbie Coltrane
Rutherglen, 1950–2022Geboren als Anthony Robert McMillan; den Künstlernamen lieh er sich beim Jazzsaxofonisten John Coltrane. Für eine ganze Generation ist er Hagrid – für eine andere der zerrissene Kriminalpsychologe Fitz in Cracker, für den er drei Jahre in Folge den BAFTA gewann. J. K. Rowling bestand darauf, dass er Hagrid spielt, und hatte recht: Die Wärme, die diese Figur trägt, war keine Erfindung des Drehbuchs.
Brian Cox
Dundee, *1946Der Sohn eines Dundeer Krämers verlor seinen Vater mit acht Jahren und wurde von seinen Schwestern grossgezogen. Fünf Jahrzehnte Theater und Film später wurde er mit über siebzig zum globalen Fernsehstar: Logan Roy in Succession. Nebenbei: Er war der erste Hannibal Lecter der Filmgeschichte – 1986 in Manhunter, fünf Jahre vor Anthony Hopkins. Sein Dundee-Akzent ist so unverfälscht, dass amerikanische Zuschauer bis heute Untertitel einschalten.
Edinburgh, 1996
Die Trainspotting-Generation
Ein einziger Film veränderte 1996 das schottische Kino – und die Karrieren von fast allen, die darin mitspielten. Mehr dazu in unserem Überblick über die besten schottischen Filme.
Ewan McGregor
Crieff, Perthshire, *1971Sohn zweier Lehrer aus dem beschaulichen Crieff. Sein Onkel Denis Lawson flog als Wedge Antilles in der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie – Jahrzehnte später wurde der Neffe Obi-Wan Kenobi. Der Durchbruch kam mit Danny Boyles Trio Shallow Grave, Trainspotting und A Life Less Ordinary.
Bemerkenswert ist, was danach kam: statt Hollywood-Routine ein Emmy für die Doppelrolle in Fargo, ein zweiter für Halston, dazwischen Motorradreisen um die halbe Welt für die BBC. Perthshire hat ihn nie ganz losgelassen – die Highlands beginnen praktisch vor Crieffs Haustür.
Robert Carlyle
Glasgow, *1961Verliess die Schule mit sechzehn und arbeitete als Maler und Anstreicher, bis ihn ein Exemplar von Arthur Millers The Crucible ins Theater brachte. Als Begbie in Trainspotting schuf er eine der bedrohlichsten Figuren des britischen Kinos, als arbeitsloser Gaz in The Full Monty eine der sympathischsten – im Abstand von einem Jahr. Deutschen Zuschauern ist er auch als Dorfpolizist Hamish Macbeth in den Highlands vertraut. Beides derselbe Mann, beides überzeugend: Das ist die Definition von Können.
Kelly Macdonald
Glasgow, *1976Sie arbeitete als Bardame in Glasgow, als ihr ein Flugblatt für ein offenes Casting in die Hände fiel. Ohne jede Ausbildung bekam sie die Rolle der Diane in Trainspotting. Es folgten No Country for Old Men, ein Emmy für Boardwalk Empire – und, für Schottland-Fans das Schönste: Sie ist die Stimme von Merida in Pixars Brave. Wenn die rothaarige Prinzessin durch die Highlands reitet, hört man Glasgow.
Peter Capaldi
Glasgow, *1958Sein Filmdebüt gab er 1983 als junger Danny Oldsen in Local Hero – jenem Klassiker, der bis heute mehr über Schottland sagt als jedes Epos. Später gewann er einen Oscar für einen Kurzfilm, wurde als brüllender Spindoktor Malcolm Tucker in The Thick of It zur Legende und schliesslich der zwölfte Doctor. Ein glasgowscher Werdegang: Kunstschule, Punkband, Weltkarriere.
Heute auf allen Bildschirmen
Die Gegenwart
Sam Heughan
Balmaclellan, Dumfries & Galloway, *1980Aufgewachsen in einem Cottage auf dem Gelände eines Schlosses in Galloway, ausgebildet am Royal Conservatoire in Glasgow – und seit 2014 für Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit das Gesicht Schottlands schlechthin: Jamie Fraser in Outlander.
Kaum eine Serie hat so viele deutschsprachige Besucher nach Schottland gebracht. Und kaum eine hat so viel für den Tartan getan: Der Fraser-Tartan der Serie wurde eigens entworfen, gedämpfter und erdiger als das, was man aus Touristenläden kennt – ein bewusst historischer Look. Wenn Sie sich je gefragt haben, warum Wolldecken in gedeckten Grün- und Brauntönen plötzlich überall sind: Das hier ist ein guter Teil der Antwort. Mehr dazu in unserem Beitrag Was ist schottischer Tartan?
James McAvoy
Glasgow, *1979Aufgewachsen bei seinen Grosseltern in Drumchapel, einer Siedlung am Rand Glasgows, in der Schauspielerei kein realistischer Berufswunsch war. Mit sechzehn kam er über eine zufällige Begegnung zu seiner ersten Rolle. Heute: Atonement, Split, Professor X in den X-Men-Filmen – und immer wieder Theater in London, weil ihn die Bühne mehr reizt als der Ruhm. Wenn er von Drumchapel spricht, wird sein Akzent innerhalb eines Satzes doppelt so breit.
David Tennant
Bathgate, West Lothian, *1971Geboren als David McDonald, Sohn eines Pfarrers der Church of Scotland. Weil bereits ein David McDonald bei der Schauspielergewerkschaft registriert war, wählte er kurzerhand einen neuen Nachnamen – nach Neil Tennant von den Pet Shop Boys. Mit drei Jahren erklärte er, er wolle Doctor Who spielen; dreissig Jahre später tat er es und wurde für viele der Doctor. In Broadchurch hört man endlich seinen echten schottischen Tonfall.
Karen Gillan
Inverness, *1987Einziges Kind aus Inverness, dem Tor zu den Highlands. Als Amy Pond wurde sie eine der beliebtesten Begleiterinnen des Doctors, als blaue Attentäterin Nebula ein Fixpunkt des Marvel-Universums. Interessanter aber: Sie schrieb und inszenierte 2018 ihren eigenen Spielfilm – gedreht in Inverness, über junge Menschen, die dort nicht wegkommen. Man kann aus den Highlands hinausgehen; die Highlands gehen selten aus einem heraus.
Tilda Swinton
*1960 · Schottische Familie, Wahlheimat NairnEine ehrliche Einordnung: Geboren wurde sie in London. Ihre Familie aber, die Swintons, gehört zu den ältesten nachweisbaren Geschlechtern Schottlands – die Linie lässt sich über Jahrhunderte in den Borders zurückverfolgen. Sie lebt seit Langem in Nairn an der Moray-Küste, zog dort ihre Kinder gross und hat sich bewusst gegen Los Angeles entschieden. Oscar für Michael Clayton, Muse von Jarmusch bis Wes Anderson – und trotzdem eine Frau, die man im Supermarkt an der Nordküste trifft.
Richard Madden
Elderslie, Renfrewshire, *1986Robb Stark in Game of Thrones – der König des Nordens, gespielt von einem Jungen aus einem Dorf bei Paisley, das ausgerechnet als Geburtsort von William Wallace gilt. Das nennt man Besetzungsglück. Danach der Golden Globe für Bodyguard. Nebenbei: Auch Rose Leslie (Ygritte) und Iain Glen (Jorah Mormont) sind Schotten. Der Norden in Game of Thrones klang nicht zufällig so.
Eine schottische Eigenart
Warum ist der Doctor so oft Schotte?
Sylvester McCoy aus Dunoon, David Tennant aus Bathgate, Peter Capaldi aus Glasgow, Ncuti Gatwa – in Ruanda geboren, in Dunfermline und Edinburgh aufgewachsen. Dazu Karen Gillan und Michelle Gomez als Begleiterin und Erzfeindin. Für eine britische Serie über einen Ausserirdischen ist der schottische Anteil bemerkenswert hoch. Eine Erklärung: Der Doctor ist ein ewiger Aussenseiter, klug, respektlos gegenüber Autorität und nie ganz zu Hause. Es gibt Akzente, die das schon transportieren, bevor der erste Satz zu Ende ist.
Jenseits der ersten Reihe
Sechs Namen, die man kennen sollte
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Deborah Kerr Helensburgh, 1921–2007 |
Die grösste schottische Filmschauspielerin der klassischen Hollywood-Ära. Sechsmal für den Oscar nominiert, sechsmal leer ausgegangen – 1994 erhielt sie den Ehrenoscar. Der König und ich, Verdammt in alle Ewigkeit, Die Schwarze Narzisse. |
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Alan Cumming Aberfeldy, *1965 |
Aufgewachsen in Perthshire, Tony-Preisträger am Broadway, The Good Wife, GoldenEye – und heute in Amerika ein Fernsehstar, der in schrillen Tartan-Anzügen durch Schlösser führt. Kaum jemand spielt so genüsslich mit dem schottischen Klischee wie er. |
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Shirley Henderson Forfar, *1965 |
Ein Gesicht, das man überall gesehen hat: die Maulende Myrte in Harry Potter, Jude in Bridget Jones, dazu Trainspotting und ein Olivier Award für das Musical Girl from the North Country. |
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Gerard Butler Paisley, *1969 |
Ausgebildeter Jurist in Edinburgh, wurde wenige Tage vor Ende seiner Anwaltsausbildung entlassen und ging nach London. Sieben Jahre später: 300. Der König von Sparta mit Glasgower Akzent – niemanden hat es gestört. |
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Ashley Jensen Annan, *1969 |
Aus Dumfries & Galloway. Bekannt aus Ricky Gervais' Extras, heute als Ermittlerin in Agatha Raisin und Shetland – Letzteres gedreht auf den Inseln, die auch unseren Shetland-Decken den Namen geben. |
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John Laurie Dumfries, 1897–1980 |
Der klassische Shakespeare-Darsteller seiner Generation, der bei Laurence Olivier und Alfred Hitchcock spielte – und den in Grossbritannien trotzdem jeder nur als Private Frazer aus Dad's Army kennt. Ein sehr schottisches Schicksal. |
„Fünf Millionen Menschen, ein Akzent – und die halbe Filmgeschichte."
— The Scottish Shop
Vom Bildschirm ins echte Leben
Und was hat das mit Wolle zu tun?
Mehr, als man denkt. Wenn Sie sich Aufnahmen dieser Schauspieler abseits des roten Teppichs ansehen – bei Filmfestivals in Edinburgh, bei Interviews zu Hause, auf Reisen durch die Highlands –, sehen Sie immer wieder dasselbe: Fair-Isle-Pullover, schwere Lammwollschals, Flatcaps, Tweed. Das ist keine Verkleidung, sondern schlicht das, was man in Schottland trägt, wenn der Wind vom Nordatlantik kommt.
Diese Kleidung stammt aus denselben Mühlen und Strickereien, aus denen unser Sortiment kommt. Harley of Scotland strickt seit 1929 in den Scottish Borders, Eribé hat das Fair-Isle-Muster in die Gegenwart geholt, Lochcarron of Scotland webt die Tartans, die Sie in Outlander und auf jedem schottischen Filmplakat sehen.
Die Filme kommen und gehen. Das Handwerk dahinter ist seit zweihundert Jahren dasselbe geblieben.
The Scottish Shop
Der Look, der nie aus der Mode kommt
Fair Isle, Tartan, Kaschmir – gestrickt und gewebt in Schottland. Von uns aus Deutschland versendet, mit kurzen Wegen und ohne Zollüberraschungen.
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Man kann den Schotten aus Schottland holen. Umgekehrt gelingt es nie.
Mit Liebe zu Schottland zusammengestellt von The Scottish Shop – authentische schottische Produkte, geliefert in ganz Europa.




