Die Munros: Schottlands 282 Berge über 3000 Fuß und die Kunst des Munro Bagging
Die Highlands erleben
Die Munros – Schottlands 282 Gipfel
282 Berge über 3000 Fuß. Ein Mann aus dem 19. Jahrhundert, der sie alle aufschrieb – und zwei davon nie bestieg. Und eine Leidenschaft, die Menschen aus aller Welt Jahr für Jahr in die Highlands treibt. Willkommen in der Welt des Munro Bagging.
Sir Hugh Munro · Die Liste · Munro Bagging · Berühmte Gipfel · Corbetts & Grahams
Die Definition
Was ist ein Munro?
Ein Munro ist ein schottischer Berg, der zwei Kriterien erfüllt: Er muss höher als 3.000 Fuß – also 914,4 Meter – sein, und er muss eine ausreichende Eigenständigkeit gegenüber benachbarten Gipfeln aufweisen. Dieses zweite Kriterium wurde weder von Sir Hugh Munro selbst noch vom Scottish Mountaineering Club (SMC), der seine Liste bis heute verwaltet, je präzise definiert. Es ist, typisch schottisch, eine Frage des Urteilsvermögens.
Berge, die zwar über 3.000 Fuß hoch sind, aber als Nebengipfel eines Munros gelten, heißen Munro Tops. Davon gibt es 227. Sie werden von vielen Bergsteigern mitgemacht – aber als eigenständige Leistung gilt nur das Besteigen der 282 Munros selbst.
Die Zahlen
| Anzahl Munros | 282 (Stand seit der letzten Revision 2012) |
| Mindesthöhe | 3.000 Fuß / 914,4 Meter |
| Höchster Munro | Ben Nevis, 1.345 m – höchster Gipfel der britischen Inseln |
| Entlegenster Munro | A' Mhaighdean, 967 m – nur zu Fuß oder per Boot erreichbar |
| Munroists (vollständige Runde) | 7.937 bestätigte Compleaters bis Ende 2024 |
1891
Sir Hugh Munro – der Mann hinter der Liste
Sir Hugh Thomas Munro, 4. Baronet, wurde 1856 auf dem Familiengut Lindertis in Angus geboren. Er war Mitbegründer des Scottish Mountaineering Club im Jahr 1889 und ein leidenschaftlicher Bergsteiger, der die schottischen Highlands systematisch erkundete wie kaum ein Mensch vor ihm. 1891 veröffentlichte er in den Schriften des SMC seine legendären „Tables of the 3000 ft Mountains of Scotland" – eine Liste aller schottischen Berge, die er persönlich für eigenständig hielt.
Die Liste löste sofort lebhafte Diskussionen aus: Welcher Berg ist eigenständig genug? Warum fehlt dieser Gipfel und warum ist jener enthalten? Munro selbst arbeitete bis zu seinem Tod an Revisionen. Und doch: Er bestieg nie alle seine eigenen Munros. Als er 1919 im Alter von 63 Jahren starb – an einer Lungenentzündung, die er sich auf einem Feldlazarett-Einsatz im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte –, fehlten ihm noch zwei Gipfel: der Carn Cloich-mhuilinn in den Cairngorms und der Ruadh Stac Mòr.
„Der Mann, der alle Munros aufschrieb, hat nie alle Munros bestiegen. Das ist vielleicht das schottischste Detail an der ganzen Geschichte."
Die Herausforderung
Munro Bagging – eine lebenslange Leidenschaft
Munro Bagging bezeichnet die Herausforderung, alle 282 Munros zu besteigen – in beliebiger Reihenfolge, über beliebige Routen, in beliebigem Tempo. Wer alle 282 erreicht hat, gilt als Munroist oder Compleater und wird in die offizielle Liste des Scottish Mountaineering Club eingetragen.
Den ersten vollständigen Durchgang schaffte Reverend A.E. Robertson im Jahr 1901 – zehn Jahre nach der Veröffentlichung der Liste. Der Legende nach küsste er am letzten Gipfel sowohl den Gipfelcairn als auch seine Frau. Bis in die 1980er Jahre blieb die Zahl der Compleaters überschaubar. Dann explodierte die Popularität.
Heute sind es über 7.900 bestätigte Munroists – aus Schottland, Großbritannien und aus aller Welt. Der Rekordhalter Steve Fallon hat alle 282 Munros bisher sechzehnmal bestiegen. Auf dem anderen Ende des Spektrums schaffte Ben Fleetwood seine Compleation im Alter von zehn Jahren. Die älteste Munroistin war beim Abschluss 80 Jahre alt.
Praktischer Hinweis: Wer Munros plant, sollte Wetterwechsel einkalkulieren – Schottlands Bergwetter kann sich innerhalb von Stunden dramatisch verändern. Gutes Schuhwerk, Schichtkleidung und eine Karte sind Pflicht. Die Website WalkHighlands bietet detaillierte Routen und Karten für alle 282 Munros kostenlos an.
Eine Auswahl
Fünf Munros, die man kennen sollte
Ben Nevis
1.345 m · Fort William, Western HighlandsDer höchste Berg der britischen Inseln – und einer der begehrtesten. Der sogenannte „Tourist Path" ist gut ausgebaut und technisch nicht schwierig, täuscht aber über die Ernsthaftigkeit des Berges hinweg: Schnee kann bis in den Juni liegen, Nebel kommt schnell, und der Gipfelplateau ist weitläufig und bei schlechter Sicht gefährlich. Jedes Jahr besteigen über 100.000 Menschen den Ben Nevis. Wer alle 282 Munros abschließt, wählt traditionell oft Ben Nevis als letzten Gipfel.
Schiehallion
1.083 m · PerthshireDer „Feenhügel von Schottland" – so übersetzt sich sein gälischer Name – ist einer der markantesten Berge Schottlands, mit seiner gleichmäßigen Kegelform aus fast jeder Perspektive erkennbar. Schiehallion hat auch wissenschaftliche Bedeutung: 1774 nutzten Astronomen ihn für das erste Experiment zur Bestimmung der Dichte der Erde – und dabei erfand Nevil Maskelyne als Nebenprodukt die Höhenlinien-Kartografie.
Ben Lomond
974 m · Loch LomondDer südlichste Munro und oft der erste, den schottische Stadtbewohner besteigen – nur 30 Kilometer von Glasgow entfernt, am Ufer des Loch Lomond. Sein Name bedeutet auf Gälisch „leuchtender Berg" – an klaren Tagen sieht man von seinem Gipfel von der irischen Küste bis zu den Cairngorms.
Die Black Cuillin (Isle of Skye)
12 Munros · Isle of SkyeDie zwölf Munros der Isle of Skye sind die technisch anspruchsvollsten auf der Liste – zerklüftetes Gabbro-Basaltgestein, schmale Grate, senkrechte Abschnitte, bei denen Klettern unumgänglich ist. Der Sgùrr Dearg mit seinem Haupt-Gipfelstein, dem „Inaccessible Pinnacle", gilt als schwierigster Munro überhaupt: Es gibt keinen Weg nach oben, der kein Klettern erfordert.
A' Mhaighdean
967 m · Letterewe WildernessDer entlegenste Munro Schottlands – und nach Meinung vieler der schönste. Nur erreichbar über 15-Meilen-Fußmärsche durch absolute Wildnis oder per Boot auf einem der umliegenden Lochs. Weder Straßen noch Handynetz, keine Berghütte, keine Markierungen. Wer hierher kommt, kommt wirklich in die Einsamkeit. Sein gälischer Name bedeutet „die Jungfrau".
Kleiner, aber nicht weniger schön
Corbetts, Grahams & Donalds
Die Munros sind nicht die einzige Kategorie schottischer Berge. Wer alle 282 Munros abgehakt hat – oder wer schlicht etwas zugänglichere Herausforderungen sucht – findet in Corbetts, Grahams und Donalds eine reiche Auswahl:
| Catégorie | Höhe | Anzahl | Benannt nach |
|---|---|---|---|
| Munros | über 914 m (3.000 ft) | 282 | Sir Hugh Munro (1856–1919) |
| Corbetts | 762–914 m (2.500–3.000 ft) | 222 | John Rooke Corbett (1876–1949) |
| Grahams | 610–762 m (2.000–2.500 ft) | 231 | Fiona Graham, Bergsteigerin |
| Donalds | über 610 m – in den Lowlands | 89 | Percy Donald (1880–1958) |
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