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Artikel: Das Ungeheuer von Loch Ness: Mythen, Legenden und ein bisschen Gänsehaut

Das Ungeheuer von Loch Ness: Mythen, Legenden und ein bisschen Gänsehaut

Tief in den schottischen Highlands liegt ein See, so dunkel und geheimnisvoll, dass er seit fast 1.500 Jahren die Fantasie der Menschen beflügelt. Willkommen an den Ufern von Loch Ness.

Kaum ein Ort auf der Welt ist so von Sagen umwoben wie dieser schmale, tiefe See südwestlich von Inverness. Ob man an das Ungeheuer glaubt oder nicht – ein Spaziergang am nebelverhangenen Ufer lässt niemanden ganz unberührt. Kommen Sie mit auf eine kleine Reise in die Welt von Nessie, Wasserpferden und schottischem Aberglauben.

Ein See voller Geheimnisse

Bevor wir zum Ungeheuer kommen, lohnt ein Blick auf den See selbst – denn Loch Ness ist schon ohne Nessie beeindruckend. Er ist rund 37 Kilometer lang, an manchen Stellen über 200 Meter tief und enthält mehr Süßwasser als alle Seen Englands und Wales zusammen. Sein Wasser ist durch feinen Torf so dunkel gefärbt, dass man schon wenige Meter unter der Oberfläche kaum noch etwas erkennt. Wer hier ein Geheimnis verstecken wollte, könnte sich kaum einen besseren Ort aussuchen.

Die erste Begegnung – im Jahr 565

Die Geschichte von Nessie ist viel älter, als die meisten vermuten. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 565 nach Christus: In der Lebensgeschichte des heiligen Columba wird berichtet, wie der irische Mönch am Fluss Ness einer „Wasserbestie“ begegnete, die einen Mann angegriffen haben soll. Columba habe im Namen Gottes befohlen, das Tier möge zurückweichen – und es tauchte ab. Ob Wahrheit oder fromme Legende: Der Grundstein für einen der berühmtesten Mythen der Welt war gelegt.

Das berühmteste Foto der Welt

Richtig berühmt wurde Nessie aber erst in den 1930er-Jahren. 1933 wurde eine neue Uferstraße fertiggestellt, die den See erstmals gut zugänglich machte – und plötzlich häuften sich die Sichtungen. 1934 ging dann das sogenannte „Surgeon’s Photograph“ um die Welt: das körnige Schwarz-Weiß-Bild eines langen Halses, der aus dem Wasser ragt. Jahrzehntelang galt es als bester Beweis für die Existenz des Ungeheuers – bis 1994 herauskam, dass es sich um einen aufwendig inszenierten Scherz mit einem Spielzeug-U-Boot handelte. Der Legende hat das erstaunlicherweise kaum geschadet.

Nicht nur Nessie: Kelpies & Wasserpferde

Nessie steht in Schottland in bester Gesellschaft. Die vielleicht unheimlichsten Gestalten der schottischen Sagenwelt sind die Kelpies – Wassergeister, die als wunderschöne Pferde am Ufer erscheinen. Wer sich verführen lässt und aufsteigt, klebt plötzlich fest und wird in die Tiefe gezogen. Ihr Verwandter, das Each-uisge der Highlands, gilt als noch gefährlicher. Vielleicht ist Nessie ja am Ende gar kein Dinosaurier, sondern die freundlichste aller schottischen Wassersagen.

Nessie heute erleben

Wer selbst auf die Suche gehen möchte, fährt am besten nach Inverness, dem Tor zu den Highlands, und von dort ans Ufer. Direkt am See thront die malerische Ruine von Urquhart Castle – einer der besten Aussichtspunkte, um den dunklen Wassern beim Geheimnisvollsein zuzusehen. Bootstouren fahren das ganze Jahr hinaus, und selbst wenn Nessie sich nicht zeigt: Die Landschaft aus Nebel, Bergen und tiefem Wasser ist die Reise allein schon wert.

Glauben Sie daran?

Vielleicht ist Nessie ein urzeitliches Reptil. Vielleicht ein Baumstamm im richtigen Licht, ein großer Wels oder einfach die schottische Freude am guten Geschichtenerzählen. Doch genau das ist der Zauber von Loch Ness: Solange niemand das Gegenteil beweist, darf jeder ein bisschen glauben, was er möchte.

Am schönsten liest sich so eine Highland-Sage übrigens gut eingewickelt in eine warme schottische Wolldecke – ganz ohne feuchte Füße am Ufer. Slàinte!

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